Blythe Masters - the Billion Dollar Baby?

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(Quelle:Flickr - Fotostream von woodleywonderworks)

Intro

Der deutsche Staat rettet auf Kosten der Steuerzahler die von der Hypovereinsbank ausgegliederte Investmentbank Hypo Real Estate mit weit über 100 Milliarden Euro:

100 Milliarden Euro reichen nicht 03/09

Hypo Real Estate braucht weitere 20 Milliarden Euro 02/09

Hypo Real Estate bekommt weitere drei Milliarden 11/09

Speziell die HRE wies ein exzellentes Timing auf, um stichtagsgenau in die Pleite zu gehen, und so die Mutter vor der Nachschusspflicht zu bewahren:

 

(Quelle: Youtube)

 

Die deutsche IKB, mit der die Deutsche Bank hervorragende Geschäfte machte und so Kreditpakete mit zweifelhaftem Ruf loswurde, liefert bilanziell eine saubere Schieflage ab und hält beim Finanzministerium die Hände auf:

IKB-Rettung wird für Steuerzahler noch teurer

 

“Man hört von Bankmanagern oft den Satz, dass niemand persönlich für die Entwicklung auf den Finanzmärkten haftbar gemacht werden könne. Dies stimmt insofern, als heute bei Geldanlagen nur der Zinssatz zählt, für den kleinen Anleger bis hoch zum Bankchef Ackermann. Das ist systemisch organisierte Verantwortungslosigkeit. Davon müssen wir wegkommen. Geld anlegen bedeutet, die Gesellschaft zu gestalten. Wir müssen ein anderes gesellschaftliches Verständnis für den Umgang mit Geld entwickeln.”

Thomas Jorberg, Mittwoch, 12. November 2008

 

In den USA sterben Vororte und komplette Städte durch die Folgen der Subprime-Krise, weil sich die Leute ihre Häuser nicht mehr leisten können. Politiker und Unternehmer taten überrascht und argumentierten eilig, dass so etwas niemand hätte vorhersehen können. Es folgen nun ein paar Ausführungen zu den Beteiligten, den Banken, dem Geld, dem Zinsproblem und den Politikern...

 

Blythe Masters - the Billion Dollar Baby?

In einigen Berichten im Netz wird der Eindruck erweckt, dass die Cambridge-Absolventin Blythe Masters mit der Erfindung eines Derivates mit dem Namen Credit-Default-Swap (CDS) zur Absicherung (richtiger wäre wohl Verschleierung) von Kreditrisiken bei JP Morgan einen Grundstein für die derzeitig anhaltende Finanzkrise gelegt hat. Das wäre für einige Beteiligte sicherlich eine genehme Erklärung, die ihnen gelegen käme - Schuldige gefunden - zurück zum Tagesgeschäft. Aber ist diese Krise so einfach  zu erklären - immerhin wiegt der CDS-Markt 62 Billionen Dollar?

Wie funktioniert so ein CDS - hier ein Video:

(Quelle: Youtube)

  

"Jetzt muss jedem verantwortlich Denkenden in der Branche selbst klar geworden sein, dass sich die internationalen Finanzmärkte zu einem Monster entwickelt haben, das in die Schranken gewiesen werden muss."

Horst Köhler, 14.05.2008

 

Geschäftsmodell Bank

Das Geschäftsmodell einer Bank stellt sich recht simpel dar. Das auf der einen Seite durch Sparer eingebrachte Geld (=Passiva) wird gegen höheren Zinssatz in Form von Krediten (=Aktiva) verliehen. Ein kleiner Teil fließt als Zins auf das jeweilige Kundenkonto zurück, der Rest verbleibt als Gewinn in der Bank. Solange Geld angespart und in gleicher Höhe verliehen werden kann, funktioniert das System - umgangssprachlich "es rollt der Rubel".  In der Bilanz der Bank müssen Aktiva und Passiva stets ausgeglichen sein. Je mehr gespart wird, desto mehr wird die Bank gezwungen, irgendwo zu investieren, um der Zinsforderung aus Guthaben nachzukommen. Im Zweifelsfall wird das Geld eben auch in riskante Geschäfte gesteckt. Eine Eigenkapitalrendite von 25% lässt sich mit den normalen Geschäften kaum erzielen, dazu muss die Bank in die Trickkiste greifen, z.B. zu Termingeschäften  (Swaps), die nicht die Bilanz verhageln können, weil sie nicht aufgeführt werden müssen.

 

Die FED - Geld- und Fiskalpolitik

Die 1913 gegründete Federal Reserve Bank of New York setzt die Beschlüsse des Board of Governors des Federal Reserve System um und steuert so die Geld- und Fiskalpolitik der USA. Bereits bei Gründung der als unabhängige, private Zentralbank geplanten Instanz beteiligten sich einflußreiche Namen:

- Banken der Rothschild-Familie, Paris und London
- Lazard Brothers Bank, Paris
- Israel Moses Seif Bank, Italien
- Warburg Bank, Amsterdam und Hamburg
- Lehmann Bank, NY
- Kuhn Loeb & Co. Bank, NY
- Rockefellers Chase Manhatten Bank, NY
- Goldman Sachs Bank, NY

Die FED als Zusammenschluß mehrer Privatbanken gibt im Auftrag der US-Regierung den Dollar aus. Besser gesagt verleiht sie die gedruckten Geldscheine an die Regierung, um im Gegenzug Obligationen zu erhalten, auf die sie Zinsansprüche gegen die Steuerzahler erhebt. Hierzu eine kurze Erläuterung im Video:

 (Quelle: Youtube)

 

Die Geldmenge und das Zinsproblem

Während der Anbau von Pflanzen oder das Halten von Tieren einen direkt messbaren Ertrag in Form von Gütern erwirtschaftet, ist die Generierung von weiterem Geld nur über Zinsen und Spekulationen mit einem Problem behaftet. Es gibt dazu in der realen Welt keinen Gegenwert, der eingelöst werden könnte. Nun wächst trotz des Zinses die Geldmenge nicht kontinuierlich an, da auch Ereignisse eintreten, die  größere Geldmengen vernichten, wie etwa Naturkatastrophen und Kriege.

Dazu ein Ausschnitt aus einem Vortrag von Dr. Bernd Senf:

 (Quelle: Youtube)

...und zur Funktionsweise eines Geldsystems - eher ironisch - dieser Beitrag:

  (Quelle: Youtube)

 

Wenn man sich nun die Entwicklung der Geldmenge des Dollars, insbesondere der letzten drei Jahre, ansieht, dürfte klar sein, dass hier der reale Gegenwert fehlen muss. Die Erhöhung der Produktionsleistungen verläuft eher linear, und nicht exponentiell, wie hier zu sehen.

Entwicklug der Geldmenge des Dollars von 1920 bis 2009

(Quelle: Federal Reserve Bank of St. Louis)

Durch die milliardenschweren Rettungspakte wurde die Geldmenge zusätzlich aufgebläht und stützt so eher weitere Spekulationen. Theoretisch müsste nun eine Inflation folgen, da zuviel Geld auf zuwenig Waren treffen. In der Eurozone wuchs die Geldmenge zunächst recht schnell bis Ende 2008, verlangsamte aber ihr Wachstum in 2009 deutlich. Genaugenommen muss ein zinsbasiertes Finanzsystem ein Ablaufdatum besitzen, da somit eine Geldmengenausweitung theoretisch auch ohne Produktivität möglich wird, jedoch  von der realen Wirtschaftsentwicklung entkoppelt stattfindet.

 

altenativ Bailout Plan

(Quelle: Flickr Stream von Mike Licht)

Geheime Sitzung in Berlin 2003

Laut diesem Bericht in der Capital trafen sich am 16. Februar 2003 in Berlin der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, Wirtschaftsminister Wolfgang Clement, Finanzminister Hans Eichel, Josef Ackermann (Deutsche Bank), Bernd Fahrholz (Dresdner Bank), Dieter Rampl (HypoVereinsbank), Jürgen Sengera (WestLB), Ulrich Brixner (DZ Bank) und Henning Schulte-Noelle (Allianz) um über die Lage von einigen angeschlagenen Kandidaten der Bankenszene zu beraten, die hohe Anteile von Schrottpapieren im Portfolio vor Anlegern versteckten.

"Deutschland war Weltmeister in riskanten Bankgeschäften.Nirgendwo auf der Welt, auch nicht in Amerika, haben sich Banken mit größerer Bereitschaft in unkalkulierbare Risiken gestürzt – allen voran die Landesbanken."

 EU-Kommissar Günter Verheugen

Man kann also getrost davon ausgehen, dass Kontrollgremien, Politiker und Banker sehr wohl bereits Jahre vor der jetzigen Krise ziemlich genaue Kenntnisse hatten, wie ernst die Lage wirklich aussieht.

Fazit

Die  CDS wirkten lediglich als Brandbeschleuniger in der allgemeinen Schieflage der Banken und des Finanzsystems. Das erneute Einknicken des Baltic Dry Index und die Arbeitsmarktentwicklung in den USA mit nun mehr als 10% Arbeitslosenquote verheißen nichts Gutes. Der kurzen Kursrally am Aktienmarkt muss eine Bereinigung folgen. So folgert Artur P. Schmidt - "Wann kommt der Peak Debt". Die derzeitigen Gewinne der Banken entstehen nur, weil sie sich für nur 1% Zinsen Geld von der EZB borgen können, um es mit bis zu 10% Zinsen wieder auszuteilen - eine Profitgarantie par excellance.

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